Der Coandă-Effekt ist ein Begriff, der in der Klimatechnik immer wieder auftaucht – besonders, wenn es um Luftführung, Komfort und Zugfreiheit geht. Vereinfacht gesagt beschreibt er das Verhalten eines Luftstrahls, der sich an einer Oberfläche „anlegt“ (z. B. an der Decke oder an einer Wand), statt sich sofort in den Raum zu lösen. Genau dieses Strömungsphänomen wird in der Raumlufttechnik (RLT) und bei Luftauslässen gezielt genutzt, um Luft gleichmäßiger zu verteilen und unangenehme Zugerscheinungen zu reduzieren.
In der Praxis kann der Coandă-Effekt darüber entscheiden, ob ein Raum als angenehm oder „zugig“ wahrgenommen wird – selbst wenn Temperatur und Volumenstrom rechnerisch passen. Deshalb ist er für Planer und Betreiber relevant, insbesondere bei großen Räumen, hohen Decken, Hallen, öffentlichen Gebäuden oder Bereichen mit sensiblen Komfortanforderungen.
Was ist der Coandă-Effekt?
Der Coandă-Effekt beschreibt die Tendenz eines Strahls (z. B. Luft), sich an eine nahe Oberfläche anzulegen und ihr zu folgen. Ursache ist die Strömungsmechanik: Zwischen Luftstrahl und Oberfläche entsteht ein Druckunterschied, der den Strahl „anzieht“ und entlang der Fläche führt.
In der Klimatechnik bedeutet das konkret:
Ein Luftstrahl, der nahe an der Decke ausgeblasen wird, kann an der Decke entlanglaufen, sich dabei beruhigen und erst später in den Aufenthaltsbereich absinken. Das hilft, Zug zu vermeiden und die Luft besser im Raum zu verteilen.
Warum ist der Coandă-Effekt in der RLT so wichtig?
In raumlufttechnischen Anlagen geht es nicht nur um „Luftmenge“, sondern um die Luftverteilung: Wo kommt die Luft an, wie mischt sie sich, und wie stabil bleiben Temperatur und Luftqualität im Aufenthaltsbereich?
Der Coandă-Effekt unterstützt vor allem diese Ziele:
- Zugfreiheit im Aufenthaltsbereich
- gleichmäßige Temperaturverteilung (weniger Hotspots/Kaltzonen)
- bessere Induktion/Mischung je nach Auslasskonzept
- kontrolliertes Absinken der Zuluft statt direkter „Kaltluftdusche“
Gerade bei Kühlbetrieb ist das ein Thema: Kühle Luft ist dichter und neigt dazu abzusinken. Wird sie falsch eingebracht, entsteht schnell Zug. Mit Coandă-naher Ausblasführung lässt sich das Risiko deutlich senken.
Typische Anwendungen in der Klimatechnik
Deckennahe Luftauslässe in Büro- und öffentlichen Gebäuden
Bei deckennahen Auslässen wird der Coandă-Effekt genutzt, um Zuluft zunächst an der Decke entlangzuführen, bevor sie sich im Raum verteilt. Vorteil: geringere Luftgeschwindigkeit in der Aufenthaltszone.
Hallen, Industrie und große Volumen
In großen Räumen sind Luftführung und Strömungsbild entscheidend. Coandă-Effekte können helfen, Zuluft gezielt entlang von Flächen zu führen (z. B. Decke/Träger), um Wurfweite und Verteilung zu verbessern – allerdings nur, wenn Auslegung und Volumenstrom passen.
Kombination mit energieeffizienten Kühlkonzepten
Bei energieeffizienten Konzepten (z. B. freie Kühlung, adiabate Kühlung) spielt die Luftverteilung ebenfalls eine Rolle. Ein gutes Strömungsbild sorgt dafür, dass die erzeugte Kühlwirkung effektiv im Raum ankommt.
Typische Planungsfehler – und wie man sie vermeidet
Der Coandă-Effekt ist kein „Zaubertrick“. Er funktioniert zuverlässig, wenn die Randbedingungen stimmen. Häufige Fehler in der Praxis:
1. Falscher Ausblaswinkel / falsche Auslassposition
Wenn der Luftstrahl zu weit von der Oberfläche entfernt ist oder ungünstig ausgerichtet wird, „löst“ er sich zu früh.
2. Zu hohe Luftgeschwindigkeit im Aufenthaltsbereich
Selbst mit Coandă kann es zugig werden, wenn Volumenstrom und Auslegung nicht zur Nutzung passen.
3. Kühlbetrieb ohne Strömungskonzept
Kühle Zuluft kann zu schnell absinken. Coandă-nahe Führung ist hier oft sinnvoll – aber nur mit korrekter Auslegung.
4. Nicht abgestimmte Regelung
Wenn Volumenströme stark schwanken, kann sich das Strömungsbild ändern. Eine passende Regelstrategie stabilisiert Komfort und Effizienz.
Praxis-Tipp: In der Auslegung sollte der Fokus nicht nur auf Temperatur liegen, sondern auch auf Luftgeschwindigkeit, Wurfweite, Induktion und dem erwarteten Strömungsbild in typischen Betriebspunkten.
Coandă-Effekt vs. Quelllüftung – nicht verwechseln
Der Coandă-Effekt wird häufig in Mischlüftungskonzepten genutzt (deckennahe Einbringung, Mischung im Raum). Quelllüftung arbeitet anders: Luft wird mit niedriger Geschwindigkeit eingebracht und steigt (durch Wärmequellen) nach oben.
Beide Konzepte können sinnvoll sein – entscheidend sind Nutzung, Lasten, Raumgeometrie und Komfortanforderungen.


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FAQ für den Coandă-Effekt
Der Coandă-Effekt bedeutet, dass ein Luftstrahl an einer Oberfläche (z. B. Decke) „haftet“ und ihr folgt. In der Klimatechnik hilft das, Luft zugfrei zu verteilen.
Er reduziert Zugerscheinungen, weil Zuluft zunächst an der Decke entlanggeführt wird und erst später in den Aufenthaltsbereich gelangt.
Nein. Er hängt von Auslassposition, Ausblasrichtung, Volumenstrom und Raumgeometrie ab. Bei falscher Auslegung kann es trotzdem zugig werden.
Indirekt ja: Gute Luftverteilung verbessert Komfort und Wirksamkeit der Kühlung/Heizung – dadurch lassen sich unnötig hohe Leistungen vermeiden.
